Gesellschaft | Kultur

 

Ausstellungen in Estland und Lettland

Deutsch-estnische Ausstellung im Kriegsjahr 1943 entstandener Bilder des Malers und Architekten Johannes Niemeyer (1889 - 1980).

Diese von der Galerie WANNSEE Verlag, Berlin gemeinsam mit dem Saaremaa Museum Kuressaare vorbereitete und organisierte Ausstellung wurde in der alten Bischofsburg von Kuressaare (Arensburg) auf der Insel Saaremaa (Ösel) im August 2016 eröffnet, im Kunstzentrum Hopneri Maja (Hopner House) in Tallinn im September 2016 fortgesetzt und war von Ende November 2016 bis Anfang Januar 2017 in der Universitätsbibliothek in Riga zu sehen.
Eine Anschlußausstellung in Deutschland ist vorgesehen.

 

Johannes Niemeyer

Küsten   und   Städte   -   Bilder   aus   dem   Baltikum
Rannad   ja   linnad      Baltimaades   maalitud   pildid
Coasts   and   Cities   -   Paintings   of   the   Baltic   region
(1943)
 
Herausgeber  Herwig  Roggemann,  Berlin
in  Zusammenarbeit  mit  Olavi  Pesti,  Kuressaare
 
Ausstellung/Näitus/Exibition
6. 7. – 31. 8. 2016  in  Kuressaare  (Arensburg)  und /and
8. 9. -  4. 11. 2016 in Tallinn  (Reval),
Estland/Estonia

Diese Ausstellung in der 750 Jahre alten Bischofsburg Kuressaare/Arensburg ist eine Ausstellung besonderer Art. Einige der   Bilder sind in der Stadt Kuressaare vor 73 Jahren schon einmal ausgestellt worden.  Der damals 48-jährige Johannes Niemeyer  war 1943 mitten im Kriege während der deutschen Besetzung ins Baltikum gereist – nicht um zu kämpfen sondern um zu malen.

Ergebnis dieser friedlichen Mission in unfriedlichen Zeiten sind diese „Bilder aus dem Baltikum“. Sie handeln nicht von Krieg und Zerstörung sondern von Menschen, ihrer Arbeit am Meer, von Fischern und Häfen und den traditionsreichen Städten. Die Schönheit und der besondere Charakter der Insel Saaremaa und ihrer Bewohner  hat den Maler so fasziniert, daß er beides in zahlreichen Bildern festgehalten hat.

Johannes Niemeyer (1889 – 1980) gehört zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten der Zwanziger bis Siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland. Er war nicht nur ein hervorragender Maler sondern auch Architekt, Bildhauer ,  Raumausstatter und Designer. Er arbeitete von 1921 – 1924 als Dozent an der Burg Giebichenstein in Halle, neben dem Bauhaus in Weimar damals eines der wichtigen Zentren für Kunst und Gestaltung in Deutschland.  Bauten von Niemeyer im Stil des “Neuen Bauens” in Halle, Leipzig und Berlin fanden viel Beachtung.  Erste Ausstellungen seiner Malerei fanden 1920 in Oslo und Karlsruhe statt. In einer großen Retrospektive würdigte 1990 die Berlinische Galerie im Gropius Bau sein Gesamtwerk. Eine Gemeinschaftsausstellung mit seinem Bruder Otto Niemeyer-Holstein veranstalteten 1997 Museen in Greifswald, Kiel und Potsdam. Eine ständige Ausstellung ausgewählter Werke zeigt die Galerie Wannsee Verlag in Berlin (www.galerie-wannsee-verlag.de).

Der Berliner Galerist  ist den estnischen Organisatoren dieser Ausstellung dankbar für die Initiative  und die  fruchtbare Zusammenarbeit, die zu diesem bemerkenswerten Ergebnis geführt hat.

Die Reise der Bilder aus Berlin nach Saaremaa und Tallinn ist nicht nur ein Kunstereignis. Sie ist  nach schrecklichen Irrtümern und schmerzhaften Verlusten der Vergangenheit ein selbstverständlicher Teil unseres heutigen Lebens in einem gemeinsamen, friedlichen Europa. Auch das ist Teil der zeitlosen Botschaft dieser Kunstwerke für uns.

This is a special exhibition. Some of this paintings have been exhibited in Kuressaare/Arensburg already 73 years ago . Johannes Niemeyer (1889 – 1980) had travelled in 1943 as a „German Painter“ to the  Baltic States  under the regime of the German occupation. But the artist came here for four month not for fighting but for painting.

Result of this peaceful mission in times of cruel war are these paintings from the Baltic Region. They do not deal with war and destruction but with landscape, with people at work, fishermen at the Seaside, peasants and with traditional old towns. The artist was impressed by the beautiful scenery of the Seaside and the character of villages and people living here. So he created quite a number of paintings, mostly in pastel, of the Island of Saaremaa,  its villages and inhabitants.  In his sceneries as well as in paintings of towns and  portraits Johannes Niemeyer proves himself as an excellent realist. His paintings make him an archivar of our European memory.

Johannes Niemeyer is one of the most multi-talented German artist of his time. He was painter, architect, sculptor and designer. From 1921 until 1924 he worked as a docent at the Burg Giebichenstein in Halle– during the famous “Twenties” in Germany after the Bauhaus in Weimar one of the most important art-centers.  A first exhibition of his paintings took place 1920 in Oslo and Karlsruhe. In 1990 the Berlinische Galerie organized a retrospective exhibition including the different aspects of his work.  In 1997 both brothers and artists Johannes Niemeyer and Otto Niemeyer-Holstein were presented in exhibitions by museums in Greifswald, Kiel and Potsdam. A permanent collection of the Paintings and sculptures by Johannes Niemeyer from the Twenties to the Seventies of last century is exhibited by the Galerie Wannsee Verlag, Berlin.

The  owner of the Berlin gallery is grateful to the Estonian organizers of this exhibition for their initiative and fruitful collaboration in realizing this remarkable exhibition at  the traditional place of the old Bishops Castle.

The journey of the paintings from Berlin to  Saaremaa and Tallinn and back to Berlin is not just an event of art. This exhibition is after terrible errors of our past also an example of our normal life in a peaceful united Europe of today – and thus is part of the timeless message of art.

Bischofsburg Arensburg – Kuressaare piiskopilinnus - Bishops Castle Arensburg

Die 1260 vom deutschen Ritterorden erbaute Bischofsburg Kuressaare/Arensburg ist die größte und am besten erhaltene Burg im Baltikum. Sie war mehr als 200 Jahre lang Sitz der Bischöfe von Saaremaa/Ösel-Wiek. Danach wechselten dänische, schwedische, russische Herrschaft. Seit 1991 ist die Burg Eigentum des estnischen Staates und mit zahlreichen Kunstschätzen und Ausstellungen zum größten Museums Estlands geworden.

The Bishops Castle of Arensburg/Kuressaare, built 1260 by the Deutschritterorden, is the biggest and best conserved fortress in the Baltic states of today. More than 200 years it was the seat of the Bishop of Saaremaa/Ösel-Wiek. After Danish, Swedish and Russian Regime the Castle since 1991 is property of the Estonian State. With numerous objects of art and history and many exhibitions and other activities the Saaremaa Museum is now the most important Estonian museum.

 

 

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Johannes Niemeyer Ausstelliungen 2016/2017
in Kuressaare/Arensburg, Tallinn/Reval und Riga
 
Die Johannes-Niemeyer-Ausstellung im Sommer 2016 im Saaremaa-Museum Kuressaare/Arensbug, im Herbst 2016 im Kulturhaus Hopneri Maja/Hopner Haus in Tallin und im Winter 2016/2017 im Veranstaltungssaal der Historischen Universitätsbibliothek Riga, von den estnischen (Olavi Pesti und Anna-Liisa Oispuu im Saaremaa-Museum in Kuressaare, Anne Velt und Annely Pantalon im Hopner-Haus in Tallinn) und lettischen (Dr. Venta Kocere in Riga) Veranstaltern mit Engagement und Sachkunde durchgeführt, fand sowohl in Estland wie in Lettland lebhaftes Interesse.
Die estnische Presse berichtete unter der Überschrift: "Johannes Niemeyer ist nach 73 Jahren zurückgekehrt". Und die führende estnische Kunstzeitschrift Sirp - Eesti Kultuurileht widmete der Niemeyer-Ausstellung in Heft 33 v. 19. 8. 2016 einen ausführlichen Bericht samt großer Reproduktion des Selbstbildnisses des Malers.
In Riga führte der Präsident der Lettischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Ojars Sparitis zusammen zusammen mit der Direktorin der Universitätsbibliothek Riga, Frau Dr. Venta Kocere, und dem Berliner Galeristen, Prof. Dr. Herwig Roggemann, in die Ausstellung ein. Zu den Teilnehmern der gut besuchten Veranstaltung gehörten der Botschafter der Republik Estland in der Republik Lettland, Herr Tonis Nirk und der Rechts- und Kulturreferent der Deutschen Botschaft in Lettland, Alexander Tschuikow.
Oilme Salumae, die Witwe des verstorbenen wissenschaftlichen Ausstellungsleiters des Saaremaa-Museums und Initiators dieser Ausstellung, Raul Salumae, berichtete über die anrührende Vorgeschichte dieser Ausstellung, die mit einem Niemeyer-Bild über dem Schreibtisch des Gemeinde-Vorsitzenden von Kuressaare aus dem Jahre 1943 begann und nach Jahren der Suche nach dem Maler schließlich im Januar 2015 nach Berlin und von dort im Sommer 2016 zurück nach Kuressaare/Arensburg führte.
 
Eine Anschluß-Ausstellung dieser "Bilder aus dem Baltikum" von Johannes Niemeyer in Deutschland ist vorgesehen.
 
 
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Ausstellungen deutscher Maler 1943 und 1944 im Baltikum
 
Eine große Gemeinschaftsausstellung deutscher Maler fand im März 1944 im Städtischen Kunstmuseum in Riga statt.
Anläßlich der Johannes-Niemeyer-Ausstellung im November 2016/Januar 2017 in der Historischen Universitätsbibliothek Riga (10 Rüpniecebas Str., Riga LV-1235) legte die Direktorin der Bibliothek, Frau Dr. Venta Kocere, dem Berliner Mitveranstalter Prof. Dr. Herwig Roggemann einen Katalog dieser Ausstellung aus dem Jahre 1944 vor: "Die Große Gilde zeigt Ostlandstudien deutscher Maler. Städtisches Kunstmuseum vom 4. - 19. März 1944", Riga 1944".
Zu den damals ausgestellten Künstlern gehörten neben Johannes Niemeyer,der allein mit 40 der 189 ausgestellten Werke vertreten war, von denen die vier in den Band aufgenommenen Reproduktionen im kraftvollen Zugriff auf den Bildgegenstand und dem spannungsreichen Bildaufbau herausragen und seine unverwechselbare Handschrift zeigen, Wilhelm Ahlers, Bad Schwartau; Wilhelm M. Busch, Breslau; Bodo von Campenhausen, Berlin; Albert Hennig, Berlin; Hans List, Berlin; Franz Lünstroth, Berlin; Axel Sponholz, Köln; Siegward Sprotte, Potsdam-Bornstedt.
Der Maler Wilhelm Ahlers aus Norddeutschland war im Auftrag des damaligen Reichskommissars für das besetzte Baltikum und der Maler und Architekt Johannes Niemeyer im Auftrag des damaligen Ostministeriums für die besetzten Ostgebiete ins Baltikum gereist.
In seinem im Museumsjahrbuch des Saaremaa-Museums 2017 erscheinenden Beitrag "Deutsche Maler auf Ösel während des 2. Weltkriegs" geht Ralf Baltes, der Vorsitzende des Vereins "Interessengemeinschaft Ösel 1941 - 1944 Neu", diesen beiden Ausstellungen näher nach. Seiner Arbeit verdanken die folgenden Ausführungen einzelne Zitate und Hinweise.

Eine weitere Einzelausstellung der "Bilder aus dem Baltikum" von Johannes Niemeyer wurde am 19. September 1943 in Arensburg/Kuressaare im dortigen Schulgebäude eröffnet.

Dazu heißt es in der Tageszeitung "Meie Maa" v. 18. 9. 1943:
"Am Sonntag (den 19. 9. 1943) um 10:30 Uhr wird in den Räumen der Grundschule eine Kunstausstellung eröffnet, in der die Werke des berühmten Berliner Landschaftsmalers Prof. Niemeyer ausgestellt werden. Bei der eröffnung werden wahrscheinlich auch der Leister der estnischen Selbstverwaltung, Dr. Hjalmar Mae, und der Gebietskommiossar von Ösel/Wiek, H. Schröder, u. a. teilnehmen".

Einige der damals ausgestellten Pastelle Niemeyers sind auch Bestandteil der heutigen Ausstellung "Bilder aus dem Baltikum". Andere Bilder existieren nur noch in Gestalt damaliger Fotos, die vom Stellvertretenden Leiter des Saaremaa-Museums, Olavi Pesti, für diese Ausstellung auf einer großen Schautafel reproduziert wurden.

Die ambivalente und problematische Rolle der Kunst im politischen Kontext des damaligen Baltikums als eines historisch-geografischen Zwischenraums in der Auseinandersetzung zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion und den Machtansprüchen dieser beiden aggressiven Diktaturen in Europa verdeutlicht auch der Hinweis Raul Salumaes auf die Notiz in der Zeitung "Meie Maa" v. 21. 9. 1943:
"Im Jahre 1943 feierte man in vielen Veranstaltungen den zweiten Jahrestag der Befreiung von der sowjetischen Okkupation. Zu den Feierlichkeiten gehörte auch die Ausstellung der Bilder des Berliner Professors Johannes Niemeyer in zwei Klassenräumen des Grundschulgebäudes". 

Eins der Bilder, "Schloßstraße in Arensburg"/Kuressaare, hatte Johannes Niemeyer der Stadtverwaltung 1943 zum Geschenk gemacht. Es hing seitdem und während der folgenden Jahrzehnte im Zimmer des Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Stadtverwaltung von Kuressaare, damals Kingissepa. Dem Gerücht, das Bild sei das Geschenk eines deutschen Offiziers an die Stadt, konnte erst nach Wende und Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Estlands seit 1991 nachgegangen werden. Und erst 2013 fand der damalige wissenschaftliche Ausstellungsleiter des Saaremaa-Museums, Raul Salumae, den Namen des Malers und seines Nachlaßverwalters in Berlin. Und aus seinem Besuch und langem Arbeitsgespräch in der Galerie Wannsee im Januar 2015 entwickelte sich die Idee zu dieser Ausstellung.

Der Maler, Architekt und Designer Johannes Niemeyer ist Estland und der Insel Saaremaa/Ösel nicht nur durch seine Malerei und deren Ausstellungen von 1943 und 2016, sondern auch in seiner Eigenschaft als Architekt und Entwerfer eines Denkmals für die Gefallenen Soldaten verbunden.
Im Ausstellungskatalog von Riga aus dem Jahre 1944 heißt es dazu:
"Niemeyers beide Söhne, der eine war Maler, sind 1942 in Rußland gefallen. Mit im Gedenken an Sie errichtete er bei Arensburg auf Ösel ein Kriegerehrenmal".
Die Inschrift auf diesem in Form eines Obelisken aufgeführten Gedenksteins auf dem Kudjape-Friedhof auf Saaremaa/Ösel, lautete:
"Daß ich die Hand noch rühren kann, das danke ich Dir Du stiller Mann".
Daß es sich hierbei um eine Verszeile des seinerzeit bekannten Gedichts "Die Dankesschuld" des national-patriotischen Dichters Walter Flex (1887 - 1917) aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg handelt, stellte zuerst der vormalige wissenschaftliche Direktor des Saaremaa-Museums, Raul Salumae, fest. Auf dessen Initiative geht auch die Wiedererrichtung des Grabmals von Walter Flex auf dem Friedhof von Pöide/Peude auf Saaremaa/Ösel zurück.
Eine Beziehung Johannes´ Niemeyers  zu diesem Gedicht von Walter Flex liegt nahe. Denn der Tod seiner beiden Söhne - deren einem, Helmut Niemeyer, die Galerie Wannsee vor 30 Jahren eine posthume Ausstellung sener Pariser Ölbilder gewidmet hat - stellte ihn vor die Frage nach dem Sinn des Soldatentods, auf die er in dieser Weise eine Antwort gesucht haben mochte. Auch stand die  Ehefrau Johannes Niemeyers, Hella Simon, Tochter des Reichsgerichtspräsidenten in Weimarer Jahren, dem Stefan-George-Kreis und damit ähnlichen Gedanken nahe.
Es ist dies nicht das erste und einzige von Johannes Niemeyer konzipierte Totendenkmal. Ein von ihm entworfenes Kriegerehrenmal im Innenraum einer Klosterruine wurde 1923 in Halle-Nietleben eingeweiht und ein großes Grabmal auf dem Friedhof in Königswinter im Jahre 1929.
Das Denkmal von 1943 auf dem Friedhof von Ösel ist seit dem Kriegsende 1945 verschollen. Über seinen Verbleib konnte bisher noch nichts in Erfahrung gebracht werden.  
 

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Auszeichnung:

Freie Universität Berlin                                                                                        Presse und Kommunikation Nr. 324/2016 vom 04.10.2016

Professor Herwig Roggemann geehrt

Langjähriger Professor für Strafrecht, osteuropäisches Recht und Rechtsver-gleichung der Freien Universität Berlin erhält das Ver­dienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Der frühere Vorsitzende des Osteuropa-Instituts und Leiter des Arbeits­bereiches Recht und Wirtschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. Herwig Roggemann, ist mit dem Verdienst-kreuz 1. Klasse des Verdienstor­dens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Wissenschaftler erhielt die Ehrung aus den Händen des Staatssekre­tärs für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, Steffen Krach. Krach be-tonte, Roggemann habe sich nicht nur wissenschaftlich durch den Rechtsvergleich zwischen West- und Osteuropa große Verdienste erworben, sondern in der Lehre und Weitebildung auch aktiv für ein besseres Verständnis des deut­schen und west-europäischen Rechtswesens in Ost- und Südosteu­ropa und umgekehrt auch der Entwicklung dieser Länder in Deutschland eingesetzt. Dies spiegele sich unter anderem in dem von ihm gegründeten und von seinem früheren Mitarbeiter Prof. Dr. Jens Lowitzsch an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O. Ge­meinsam mit Kollegen an der Freien Universität Berlin und anderen Universitäten weitergeführten „Interuniversitären Zentrum“ wider, das die internationale Zusammenarbeit und den Ausbau rechtsstaatli­cher Strukturen insbesondere in Südosteuropa zum Ziel habe. Als Beispiel für die von Roggemann in Berlin und in Osteu­ropa organisierten inter-nationalen Veranstaltungen hob Krach das Symposium „Versöhnung auf dem Balkan“ am Osteu­ropa-Institut der Freien Universität im Jahr 2013 hervor. Dort saßen erstmalig Botschafter sowie Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungs-organisationen Kroatiens, Serbiens und Bosniens an einem Tisch und diskutierten miteinander über Kriegsursachen, Kriegsfolgen und deren Aufarbeitung. Roggemann habe damit wie mit zahlreichen vorangegangenen Veranstaltungen einen Beitrag zur Verständigung zwischen der Politik und Menschen in Ost- und Westeuropa geleistet, betonte Krach.

Herwig Roggemann wurde 1935 in Bremen geboren und stu­dierte Rechtswissen-schaft an den Universitäten Göttingen, Freiburg und München. 1962 promovierte er an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. In den darauf-fol­genden zwei Jahren studierte er Slawische Sprachen und Rechtssysteme der Ost- und Südosteuropäischen Staaten an der Freien Universität Berlin, an der er zunächst als Akademi­scher Rat arbeitete und sich 1973 am Fachbereich Rechtswissenschaft habilitierte. Von 1973 bis 2000 wirkte er als Professor am Fachbereich Rechtswis-senschaft der Freien Univer­sität und an deren Osteuropa-Institut, dessen Vorsitzen­der er von 1993 bis 1997 war. Von 1998 bis 2000 war er Mit­glied des Akademischen Senats der Freien Universität Berlin. Für seine Verdienste um die wissenschaftliche Zusammenar­beit wurde ihm 2005 die Ehrendoktorwürde der Universität Split ver-liehen, und der Staatspräsident Kroatiens zeichnete ihn mit dem Flechtbandorden aus. Von 2000 bis 2013 leitete Roggemann das von ihm zusammen mit anderen deutschen und kroatischen Universitätskollegen gegründete, vom DAAD geförderte Interuniversitäre Zentrum für deutsches, kroatisches, eu­ropäisches Recht und Rechtsvergleichung in Split und Berlin. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentli­chungen sind neben der rechtlichen und politischen Ent-wicklung in Ost- und Südosteuropa insbesondere im Straf- und Verfassungsrecht unter anderem Fragen des internationa­len Strafrechts und der postsozialistischen Transformation der Staats- und Eigentumsverfassung. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Wissenschaftsverlag begründete er die Reihe „Quellen zur Rechtsver-gleichung aus dem Osteuropa-Institut“, zu deren Mitherausgebern Kolleginnen und Kollegen der Freien Universi­tät und anderer Universitäten gehören. Inzwischen er-schien Band 67. Zu seinem 70. Geburtstag versammelte eine unter dem Titel „Transformation des Rechts in Ost und West“ von Dr. Dirk Fischer 2006 im Berliner Wissenschaftsverlag herausgege­bene, umfangreiche Festschrift zahlreiche Beiträge von Schülerin­nen und Schülern sowie Fachkolleginnen und -kolle­gen. In seiner 2015 im selben Verlag erschienen Streitschrift „Ukraine-Konflikt und Russlandpolitik – Ein Diskussionsbeitrag zum Ukraine-Konflikt und für eine neue deutsche und europäi­sche Russlandpolitik“ setzte sich Roggemann kritisch mit der derzeitigen deutschen und europäischen Russlandpolitik auseinan­der und sprach sich für einen kooperati-ven Neubeginn an­stelle konfrontativer Sanktionspolitik aus. Seine Thesen sind auf der Webseite www.berliner-forum.eu zur Diskussion ge­stellt.

 

In seiner Dankesrede erklärte Roggemann, als gebürtiger Bremer habe er sich in einem Zwiespalt befunden, da freie Hanse­städter Ordensverleihungen eher skep-tisch oder ableh­nend gegenüberstünden. Doch sei er infolge langer hiesiger Le­bens- und Arbeitszeit auch Berliner geworden – und denen sei solche Zurückhaltung fremd. Vor allem aber sehe er durch die Auszeichnung nicht sich ausgezeichnet, sondern seine Arbeit und alle Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kollegin­nen und Kollegen sowie seine Weggefährten, die an sei­nen Veranstaltungen, wissenschaftl-ichen Projekten und Publika­tionen in der einen oder anderen Weise beteiligt gewe­sen seien oder mitgewirkt hätten. Diesen habe er zu danken. Er verstehe die Aus-zeichnung zugleich als Verpflichtung, der jünge­ren akademischen Generation auch weiterhin eine wach­same und auch selbstkritische Sicht auf Entwicklungstenden­zen und auch Fehlentwicklungen im eigenen Rechtsraum zu ver­mitteln. Auch solle das grenzüberschreitende Rechtsge­spräch gerade in Zeiten zunehmender politischer und ökonomi­scher Konflikte – auf dem Balkan wie in der Ukraine – nicht abrei­ßen, sondern intensiviert werden. Als Begegnungsort für solche Gespräche habe sich neben universitären Foren auch die von ihm und seiner Frau Marina geführte Galerie Wannsee bewährt. Jüngstes Projekt in diesem Rahmen sei eine 2016 ge­meinsam mit estnischen Partnern organisierte deutsch-estnische Kunstausstellung des Malers Johannes Niemeyer, die in Kuressaare (Arensburg) im Museum Saaremaa und an­schließend in Tallinn und Riga gezeigt werde.

WEITERE INFORMATIONEN
Prof. Dr. Dr. h. c. Herwig Roggemann
Fachbereich Rechtswissenschaft und Osteuropa-Institut
Telefon: 030/ 805 1078, 030/ 803 60 86, Mobil: 0179/ 1755195,
E-Mail: herwig.roggemann@fu-berlin.de, herwig.roggemann@gmx.de
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